LSV Schwarzwald Piloten bei Qualifikationsmeisterschaft der 18m-Klasse ganz vorne
Nach sieben von zehn Wertungstagen liegt der Haiterbacher Matthias Sturm vom Luftsportverein Schwarzwald e.V. auf Platz 1 der Qualifikationsmeisterschaft der 18m-Klasse 2022 in Lachen-Speyerdorf in der Nähe von Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz. Sven Killinger – ebenfalls vom LSV Schwarzwald – besetzt Platz drei knapp vor den Verfolgern, die ebenfalls am Ende einen Platz auf dem Siegertreppchen für sich erringen wollen.
Konstante Leistung führt zur Führung
Insbesondere Sturm begeistert durch eine sehr konstante und dominante Leistung, was sich darin äußert, dass er bereits seit Tag 1 die Wertung anführt und die Führung mittlerweile deutlich auf über 400 Punkte ausgebaut hat. Die hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten von teilweise bis zu 155 km/h liegen Sturm und seinem Flugzeug, eine JS3 TJ (18m), sehr. Sturm am vierten Wertungstag: „Die Schnitte steigen immer mehr an, das ist außergewöhnlich“. Sven Killinger ist mit einer JS1 (18m) aus der Flugzeugflotte des LSV Schwarzwald angetreten, die ebenfalls ideal für die aktuell vorherrschenden „Schnelle Wetterlage“ geeignet ist.
Wolkenstraßen ohne Speed Limit
Die aktuell vorherrschenden Wetterbedingungen sind fast ideal für den Segelflug. Die geringe Bodenfeuchte führt zu einer schnellen und starken Erwärmung des Bodens und der drüber befindlichen Luft. Diese wird dadurch zur Thermik und steigt auf – teilweise mit beachtlichen Steiggeschwindigkeiten von bis zu 5 m/s. Oftmals war es sogar so, dass durch den starken Wind, die Thermikbärte in quasi zu Straßen aufgereiht waren und die Piloten nur noch entlang fliegen mussten. Sturm zu den ersten beiden Wertungstagen: „Wichtig war es die Linien zu treffen und das ist mir sehr gut gelungen. So kann es weitergehen“.
Wasser macht den Unterschied
Nicht nur am Boden wissen wir aktuell um die Bedeutung von Wasser: Um die Wolkenstraßen optimal nutzen zu können, wurden die Flugzeuge zuvor mit Wasserballest betankt. Durch das höhere Gewicht ist die Energieeffizienz höher und es kann schneller geflogen werden. Nachteilig ist dies für Teilnehmer mit älteren Flugzeugen, die oft „nur“ ein maximales Abfluggewicht von 500kg oder sogar weniger haben, während die oben genannten Flugzeuge mit bis zu 600kg starten dürfen. Dies sind entscheidende Parameter bei den beschriebenen Wetterlagen. Diese Herausforderung hat auch der dritte LSV Schwarzwald Pilot im Bunde: Markus Schweizer mit einem Ventus c 17.6m. Die extrem hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten sind so nicht erreichbar, was sich im aktuell 19. Platz niederschlägt. Trotz allem konnte Schweizer Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen, die für viele Segelflieger jenseits der Vorstellungskraft liegen. Beispielsweise am dritten Wertungstag 131 km/h über eine Strecke von 475 km. Für Schweizer wäre ein etwas „schwächeres“ Wetter besser. So kann er sein fliegerisches Können ausspielen, ohne den Nachteil des fehlenden Wasserballasts so massiv zu spüren.
Schnelle Tage
Die ersten vier Wertungstage beschreibt Killinger sehr begeistert: Der erste Wertungstag fing schon gut an – eine Hohe Wolkenbasis von 2100 m, starke Steigwerte und eine sehr gut gefundene Linie von Würzburg bis in die Pfalz bescherten mir eine hohe Schnittgeschwindigkeit. Tag zwei war anspruchsvoll, da Blauthermik vorherrschte (Anm.: Thermik ohne Wolken ist schwerer zu finden). Die beiden folgenden Tage waren traumhaft. Hohe Steigwerte in der Thermik und anspruchsvolle Aufgaben. Einmal sicherte mir BASF in Ludwigshafen einen sehr guten Schnitt auf dem Heimflug ein andermal bescherte eine Wolkenstraße im Thüringer Wald Traumgeschwindigkeiten von deutlich über 200 km/h über längere Distanz – wahrscheinlich brachte dieser Tag eine der höchsten Schnittgeschwindigkeiten eines deutschen Wettbewerbs bisher.
Spaß am Fliegen
Was aktuell zu gutem Segelflugwetter führt, die langanhaltende Trockenheit, bringt natürlich auch die bekannten Probleme mit sich: ein ausgetrockneter Flugplatz, auf dem jeder Windzug auch Staub mitbringt. Der sonst grüne Flugplatz erinnert an eine Steppe. Das Fazit aller drei LSV Piloten: Bisher macht es einen Riesenspaß und die Extreme, die das Wetter bietet, liefern viele neue Erfahrungen. Es ist ein toller Wettbewerb, bei dem man alt Freunde trifft und neue findet.
Alle Informationen zur Wertung: hier
Bilder: Heike Schatz, Markus Schweizer
Text: Volker Herbst